Interview Volksstimme vom 03.01.2026
Der Artikel im Wortlaut der Online-Ausgabe vom 04.01.2026
Claudia Christ-Steckhan will Bürgermeisterin im Huy werden
Im Februar wird in der Gemeinde Huy ein neuer Bürgermeister gewählt. Mehrere Kandidaten stellen sich zur Wahl – eine von ihnen: Die parteilose Dingelstedterin Claudia Christ-Steckhan.
Dingelstedt. – „Ich bringe viel mit für den Job und bin stolz auf das, was ich kann – aber ich habe dennoch lange überlegt, ob ich antrete“, sagt Claudia Christ-Steckhan. „Das ist eine große Aufgabe, schließlich übernimmt man die Verantwortung für knapp 7.000 Einwohner und das nehme ich nicht auf die leichte Schulter.“ Am Ende entschied sie – und stellte sich zur Wahl.
Und dass, ob wohl die heute 60-Jährige gar nicht aus der Region stammt. „Ich bin im Harz, in Herzberg, geboren, aber dann in meiner Kindheit sehr oft umgezogen“, erzählt sie. Der Liebe wegen ist sie schließlich nach Berlin gegangen und hat hier nach ihrer Ausbildung zur Kinderkrankenschwester auf der Intensivstation für Früh- und Neugeborene der Charité gearbeitet. „Das habe ich viele Jahre gemacht, bis ich über die Entwicklung eines Betreuungskonzepts, über das ich auch ein Fachbuch und weitere Beiträge geschrieben habe, ins Projektmanagement und ins Qualitätsmanagement der Charité gewechselt bin“, führt sie ihren weiteren beruflichen Werdegang aus. Ein berufsbegleitendes Betriebswirtschaftsstudium brachte sie als Referentin in die Geschäftsstelle des Aufsichtsrats und schließlich in die Leitungsposition der Kinder-, Jugend- und Frauenheilkunde mit 850 Mitarbeitern.
Von der Kinderkrankenschwester zur Klinikleitung
Nach 25 Jahren bei der Charité sei es dann an der Zeit gewesen für einen Perspektivenwechsel – und sie wechselte zur Krankenkasse, wo sie seitdem in verschiedenen Leitungspositionen tätig ist. Zunächst war sie auf Landesebene für die Verhandlung von Arzthonoraren verantwortlich und ist nun für drei Bundesländer für die ambulante und stationäre Versorgungsplanung zuständig. Eine zusätzliche Ausbildung zur Wirtschaftsmediatorin ergänzt das Portfolio und hilft bei Verhandlungen.
Seit 1988 ist sie mit ihrem Mann Thomas Steckhan verheiratet, mit dem sie 2011 den Magdalenenhof in Dingelstedt kaufte und seit kurz vor Corona auch hier endgültig heimisch geworden ist. „Wir wurden hier toll aufgenommen und fühlen uns sehr wohl“, sagt sie. Nicht zuletzt deshalb engagiere sie sich auch unter anderem im örtlichen Heimatverein, habe bei der Bürgerinitiative „Freie Sicht auf Huy und Bruch“ mitgewirkt, singe im Kirchenchor und vieles mehr. „Natürlich habe ich auch die Kommunalpolitik immer sehr interessiert beobachtet und habe in diese durch das Amt meines Mannes als Ortsbürgermeister auch tiefere Einblicke gewonnen“, erklärt Claudia Christ-Steckhan. „Ein Engagement im Ortschafts- oder Gemeinderat war bis dato aus Zeitgründen zusätzlich zum Job nicht möglich. Wenn dann möchte ich das mit vollem Einsatz machen – und dafür bietet sich jetzt die Chance.“
Steckbrief: Fünf Fragen zur Person
- Lieblingsplatz im Huy?
Die Bank an der Teufelskanzel - Berufswunsch als Kind?
Hebamme - Buch auf dem Nachttisch?
Gartenbücher für das nächste Projekt - Lieblingsessen?
Lasagne - Was möchten Sie noch im Leben erreichen?
Ein zufriedener und neugieriger Mensch bleiben
Zusammenhalt, Lebensqualität und Zukunftsambitionen auf der Top-3-Liste
Auf ihrer Top-3-Liste an Aufgaben als neue Bürgermeisterin stehe als Punkt Nummer 1, den Zusammenhalt zu fördern. „Darunter fällt für mich zum einen das Ehrenamt und die Vereinsarbeit zu stärken – die Vernetzung und Zusammenarbeit zwischen den Vereinen zu fördern – , aber auch die Verwaltung transparenter, offener und vor allem serviceorientierter zu gestalten. Das fängt schon bei der telefonischen Erreichbarkeit zum Beispiel an“, führt sie einen für sie sehr wichtigen Punkt aus.
Die Lebensqualität zu stärken sei Punkt Nummer 2. „Das betrifft sowohl Kinder und junge Familien als auch die Senioren. Erstere brauchen wohnortnahe Kitas und Grundschulen und Sport- und Freizeitstätten, für letztere ist eine wohnortnahe und qualitativ gute Gesundheitsversorgung wichtig. Auch Mobilität ist hier ein Thema.“
Unter Punkt Nummer 3 „Zukunft aktiv gestalten“ falle zum Beispiel, den Tourismus voranzubringen und eine verlässliche Partnerin für Betriebe und die Wirtschaft zu sein. Auch der sinnvolle Einsatz des Sondervermögens für Infrastruktur gehöre hier hin. „In diesem Zusammenhang möchte ich in der Verwaltung eine Stelle schaffen, die sich um Förderprogramme kümmert“, nennt sie ein weiteres Beispiel.
„Alle drei Schwerpunkte hängen zusammen und sind wichtig für die Gemeinde. Ich habe da keine Gewichtung“, erklärt sie abschließend. Wichtig sei ihr außerdem darauf hinzuweisen, dass sie gemeinsam mit ihrem Mann entschieden habe, dass er sein Amt als Ortsbürgermeister im Falle ihres Wahlgewinns ablegen werde. „Das wäre sonst ein Interessenkonflikt.“